Für Kinder und Jugendliche

Was ist sexuelle Gewalt?

Sexuelle Gewalt sind viele verschiedene Sachen. Manchmal kann man sexuelle Gewalt als Kind gar nicht so einfach erkennen. Sexuelle Gewalt ist, wenn eine andere Person etwas Sexuelles vor oder mit einem Kind macht. Das kann zum Beispiel sein, dass er oder sie seltsame Sprüche über den Körper von einem Kind macht oder ein Kind küssen möchte, obwohl das Kind das nicht mag. Sexuelle Gewalt ist auch, wenn jemand ein Kind an der Scheide, dem Penis oder dem Po anfasst. Eine schlimme Form von sexueller Gewalt ist, wenn jemand ein Kind zum Sex zwingt oder mit Körperteilen oder Gegenständen in den Mund, die Scheide oder den Po eines Kindes eindringt. Die Erwachsenen die das machen nutzen ihre Kraft und Macht, um das, was sie wollen, zu tun. Sexuelle Gewalt kann auch im Internet passieren. Das ist alles nicht in Ordnung. Das ist alles verboten! Ein Kind oder eine Jugendliche hat keine Schuld, wenn ihm oder ihr so etwas passiert.

Wie kannst du dich schützen?

Es gibt Dinge die Kinder und Jugendliche tun können um sich vor sexueller Gewalt zu schützen. Du kannst dich schützen indem du dich auskennst. Indem du weißt was sexuelle Gewalt ist, indem du deinen Körper und deine Gefühle kennst. Es ist gut wenn du den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen kennst. Schlechte Geheimnisse darf man weitersagen! Du kannst dich auch schützen indem du klar „nein“ sagst zu Dingen die du nicht möchtest und die sich für dich nicht gut anfühlen.
Es ist nicht schlimm, wenn du unsicher bist. Du darfst dir immer Hilfe holen. Es ist immer gut, wenn du Erwachsene um Hilfe bittest. Deshalb gibt es auch unsere Beratungsstelle. Du kannst zu uns kommen und wir helfen dir. Es ist ganz wichtig über sexuelle Gewalt zu sprechen und sich anderen anzuvertrauen.
Auf dieser Homepage speziell für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren findest du noch mehr Informationen: www.trau-dich.de

Für Eltern und Bezugspersonen

Was ist sexuelle Gewalt?

Unter sexueller Gewalt werden Handlungen verstanden, die das sexuelle Selbstbestimmungsrecht des Menschen verletzen. Sexuelle Gewalt gegenüber Kindern umfasst jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen an Kindern (die aufgrund ihrer Entwicklung nicht in der Lage sind dem frei zuzustimmen).
Sexuelle Gewalt beginnt bei anzüglichen Bemerkungen und "Grabschen" und geht bis hin zur Vergewaltigung. Auch das Erstellen und Zeigen von pornographischem Material in Beteiligung von Kindern ist sexuelle Gewalt. Sexuelle Gewalt kann auch im Internet passieren.
Bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche werden Macht und Vertrauen missbraucht, um eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Zentral ist bei sexueller Gewalt die Verpflichtung zur Geheimhaltung die Kinder sprach- und wehrlos macht.
Meist hinterlässt sexuelle Gewalt keine körperlich sichtbaren Spuren, jedoch sehr oft schweres Leid.

Fakten und Zahlen
  • Sexuelle Gewalt ist häufig. Jeder sexuelle Missbrauch ist einer zu viel.
  • Jährlich werden bundesweit ca. 14.000 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt. Die Dunkelziffer wird auf circa 300.000 Taten geschätzt.
  • Dabei sind Mädchen überproportional häufig betroffen (75%). Aber auch Jungen sind betroffen (25%).
  • Sexuelle Gewalt findet meist in der Familie, im Bekanntenkreis oder im nahen sozialen Umfeld (z.B. Kindergarten und Schule) statt. Betroffen sind Kinder aller sozialen Milieus, Kulturen und Altersgruppen, auch Babys und Kleinkinder.
  • Die Täter sind zumeist Männer, selten auch Frauen, und kommen aus allen sozialen Milieus.
Wie kann ich mein Kind schützen?

Es gibt kein Standardrezept um Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen. Oft können sich Kinder nicht alleine schützen. Sie brauchen Erwachsene die Ihnen helfen.
Bestärken Sie ihr Kind sich selbst zu vertrauen und selbstsicher zu sein. Mutigen Kindern fällt es leichter sich gegen sexuelle Gewalt zu wehren, indem sie „nein!“ sagen, wenn sie etwas nicht möchten. Sie schützen ihr Kind, wenn sie ihm helfen seine Gefühle kennen und einschätzen zu lernen. Auch Kinder die ihren Körper kennen und wissen, dass ihr Körper Ihnen selbst gehört sind besser geschützt. Die folgenden 7 Sätze können sie Kindern und Jugendlichen vermitteln um sie vor sexueller Gewalt zu schützen:

  • Mein Körper gehört mir.
  • Meine Gefühle sind wichtig, ich achte auf sie.
  • Es gibt angenehme und unangenehme Berührungen.
  • Ich darf nein sagen.
  • Schlechte Geheimnisse darf ich erzählen.
  • Ich bin nicht schuld.
  • Ich weiß wo ich Hilfe holen kann.
Für betroffene Kinder da sein

Was können Sie tun, wenn sich Ihr Kind ihnen anvertraut und von einem sexuellen Übergriff berichtet?

  • Bewahren Sie Ruhe (auch wenn es Ihnen noch so schwer fällt).
    Loben Sie ihr Kind, dass es mit Ihnen gesprochen hat und vermitteln sie ihm, das es nichts Falsches getan hat, dass die Schuld beim Täter liegt.
  • Konfrontieren Sie nicht vorschnell den Tatverdächtigen oder die Institution mit dem Verdacht.
  • Auch Sie als Erwachsener brauchen Rat Und Unterstützung!
    Erklären Sie ihrem Kind, dass das ein Thema ist, das Sie nicht selbst lösen können, dass auch Sie dazu Hilfe brauchen – Rufen Sie uns an und vereinbaren einen Beratungstermin.
  • Vertrauen Sie sich jemandem an. Einer Freundin, einem Freund oder Verwandten.
    Sie können das kaum alleine verarbeiten. Sprechen Sie mit vertrauensvollen Personen und vereinbaren Sie mit diesen Stillschweigen!
  • Es kann Ihnen persönlich als auch für spätere Gespräche helfen alles aufzuschreiben. Verfassen sie ein Gedächtnisprotokoll mit Datum über das Gesagte und das Verhalten des Kindes. Sonst ist es schwer, alles zu rekonstruieren und zeitlich einzuordnen.
  • Bewahren sie trotzdem Ihre familiäre Normalität und Struktur im Alltag. Ihr Kind ist ein ganz normales Kind, das gelobt werden mag und weiterhin Grenzen aufgezeigt bekommen sollte. Der Alltag gibt Stabilität.
  • Seien Sie liebevoll für Ihr Kind da. Vielleicht merken Sie, dass bestimmte Situationen derzeit schwierig für Ihr Kind sind (z.B. einschlafen). Seien sie an der Seite ihres Kindes und beruhigen sie es in diesen Momenten (z.B. Singen, in den Arm nehmen, ablenken).
  • Sprechen Sie die Thematik des Missbrauchs nicht ständig an, besonders nicht am Abend.
  • Haben Sie Geduld mit ihrem Kind. Auffälligkeiten die es jetzt zeigt können als Reaktion auf das Erlebte sehr normal sein.
  • Holen Sie sich professionelle Hilfe bei uns in der Fachberatungsstelle, bei Psychologen oder Erziehungsberatern.

Wir vereinbaren gern einen Termin mit Ihnen und können gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Kind überlegen, was Sie und Ihr Kind an Unterstützung und Hilfsangeboten brauchen.

Für Fachpersonen

Was ist sexuelle Gewalt?

Unter sexueller Gewalt werden Handlungen verstanden, die das sexuelle Selbstbestimmungsrecht des Menschen verletzen. Sexuelle Gewalt gegenüber Kindern umfasst jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen an Kindern (die aufgrund ihrer Entwicklung nicht in der Lage sind dem frei zuzustimmen).
Sexuelle Gewalt beginnt bei anzüglichen Bemerkungen und "Grabschen" und geht bis hin zur Vergewaltigung. Auch das Erstellen und Zeigen von pornographischem Material in Beteiligung von Kindern ist sexuelle Gewalt. Sexuelle Gewalt kann auch im Internet passieren.
Bei sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche werden Macht und Vertrauen missbraucht, um eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen. Zentral ist bei sexueller Gewalt die Verpflichtung zur Geheimhaltung die Kinder sprach- und wehrlos macht.
Meist hinterlässt sexuelle Gewalt keine körperlich sichtbaren Spuren, jedoch sehr oft schweres Leid.

Fakten und Zahlen
  • Sexuelle Gewalt ist häufig. Jeder sexuelle Missbrauch ist einer zu viel.
  • Jährlich werden bundesweit ca. 14.000 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt. Die Dunkelziffer wird auf circa 300.000 Taten geschätzt.
  • Dabei sind Mädchen überproportional häufig betroffen (75%). Aber auch Jungen sind betroffen (25%).
  • Sexuelle Gewalt findet meist in der Familie, im Bekanntenkreis oder im nahen sozialen Umfeld (z.B. Kindergarten und Schule) statt. Betroffen sind Kinder aller sozialen Milieus, Kulturen und Altersgruppen, auch Babys und Kleinkinder.
  • Die Täter sind zumeist Männer, selten auch Frauen, und kommen aus allen sozialen Milieus.
Umgang mit Vermutung auf sexuelle Gewalt

Es gibt keine eindeutigen Symptome die auf sexuelle Gewalt hindeuten. Oft sind es plötzliche Verhaltensweisen, nonverbale Signale, Erzählungen und andere Hinweise die die Vermutung von sexueller Gewalt entstehen lassen. Bitte beachten Sie in solch einem Moment folgendes:

Bewahren Sie Ruhe!
Natürlich wünscht man sich oft den Verdacht so schnell wie möglich zu klären. Im Zentrum sollte aber immer der nachhaltige Schutz des betroffenen Mädchens oder Jungen stehen. Kinder brauchen Zeit um Vertrauen zu fassen. Überstürztes Handeln kann oft mehr schaden als nutzen.

Bleiben Sie nicht allein!
Achten Sie auf Ihre Betroffenheit und holen Sie sich Unterstützung bei einem Kollegen / einer Kollegin der Sie vertrauen. Gemeinsam werden Sie auch dem Kind besser helfen können. Wenn Sie in einer Einrichtung arbeiten, sollte wenn möglich der oder die Vorgesetzte miteinbezogen werden, damit Ihre Entscheidungen von der Einrichtung mitgetragen wird und Sie die große Verantwortung teilen können.

Konfrontieren Sie weder das Kind noch die verdächtige Person mit Ihrem Missbrauchsverdacht!
Betroffene Kinder merken wenn Sie zu sehr auf die Klärung Ihrer Verdachtsmomente drängen. Versuchen Sie sich vielmehr als Vertrauensperson anzubieten und zu signalisieren, dass Sie eine Not wahrnehmen, zuhören und weiterhelfen wollen.
Täter und Täterinnen verleugnen in den allermeisten Fällen die Tat. Wenn Sie diese zu früh konfrontieren erreichen Sie höchstens, dass betroffene Kinder zu mehr Geheimhaltung gezwungen werden.

Versprechen Sie dem Kind kein Stillschweigen!
Zumeist kann eine Person alleine den Schutz eines Kindes nicht herstellen. Versprechen Sie daher kein Stillschweigen, ansonsten werden Sie das Vertrauen des Kindes / Jugendlichen erneut brechen zu müssen.

Sie müssen nicht sofort anzeigen!
Auch wenn es wichtig ist, dass so viele Täter wie möglich verurteilt werden, muss bedacht werden welche Belastung eine Strafanzeige für das Opfer zu dem gegebenen Zeitpunkt bedeutet und ob dadurch der Schutz des Opfers hergestellt werden kann.

Wenden Sie sich an eine Fachberatungsstelle! Vereinbaren Sie einen Beratungstermin mit uns!
So können wir gemeinsam überlegen, wie Ihr Verdacht einzuschätzen ist und welche Handlungsschritte der individuelle Fall erfordert. Weiter werden wir gemeinsam abwägen ob und wann der Zeitpunkt gekommen ist, aufgrund einer evtl. stattfindenden Kindeswohlgefährdung (§8a SGB VIII), einen Helferkreis zu initiieren und das Jugendamt oder andere Stellen einzuschalten.

Finanzielle Unterstützung für Opfer von Gewalttaten

Unterstützung für Opfer von Gewalttaten

Sexuelle Gewalt hinterlässt zumeist großes Leid. Oft leiden  Kinder und Jugendliche die sexuelle Gewalt erlebt haben unter schweren Belastungen. Um diese zu lindern kann neben Beratung und Begleitung finanzielle Unterstützung für unter anderem therapeutische Hilfen oder Sachleistungen von Nötigen sein. Wir können Sie diesbezüglich beraten und kennen entsprechende Möglichkeiten, wie Leistungen aus dem Fonds sexueller Missbrauch (www.fonds-missbrauch.de) oder anhand des Opferentschädigungsgesetzes (https://www.lwl.org/LWL/Soziales/SER/Opferentschaedigung/).